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Thursday, June 26, 2008
SPECIAL OLYMPICS
von Anita Busch @ 1:09 PM :: 688 x aufgerufen :: 0 Kommentare :: Judo, Wettkampfergebnisse

Unerwartete Erfolge
des Südpfalz-Judo-Teams der Gehandikapten
bei Special Olympics in Karlsruhe

Bei den Special Olympics National Games, die von 16. – 20. Juni in Karlsruhe stattfanden, erlebte das „Südpfalz“-Team der Kooperation des Judokan Landau und der Südpfalzwerkstatt Offenbach  eine erlebnisreiche und vor allem eine überaus erfolgreiche Woche hinsichtlich des Medaillenspiegels.

Wie schon vielfach berichtet, war das diesjährige Sportfest von Special Olympics das bisher größte bundesweit stattfindende Sportereignis für Menschen mit geistiger Behinderung.

Von der Südpfalzwerkstatt mit ihren 4 Werken starteten insgesamt 27 Sportler, davon die 7 Judoka des Standortes Offenbach.

Insgesamt 204 Judoka gingen dienstags für die Durchführung der Skill-Tests auf die Matte. Um die von ihrer Behinderungsart her sehr unterschiedlichen Sportler in homogene Leistungsgruppen zusammenzuführen und dadurch Überforderungen zu vermeiden, musste jeder Teilnehmer 5 Übungsstationen durchlaufen:

-     eine umgedrehte Gymnastikbank vorwärts und rückwärts überqueren,

-     einen Judogürtel 4-fach zusammengelegt, an den Händen haltend vorwärts und rückwärts übersteigen,

-     Ballwurf an die Wand und den zurückprallenden Ball fangen,

-     beidfüssig vorwärts und rückwärts über zwei am Boden liegende Judogürtel springen sowie

-     Eindrehbewegung zum Schulterwurf rechts und links standen an.

Schon Mittwochmorgen starteten die Brüder Daniel (24 Jahre, - 75 kg) und Dominik Mikolski (25 Jahre, - 90kg) sowie Holger Rödiger (31 Jahre, + 90 kg) in der Wettkampfklasse II. Daniel gewann 3 seiner Kämpfe, als Gelbgurtträger sogar souverän gegen einen Braungurt und stand bei der Siegerehrung auf dem 3. Platz. Sowohl Dominik als auch Holger gewannen alle Kämpfe und bekamen dafür beide die Goldmedaille um den Hals. Als Erstplatzierte in ihrer Wettkampfklasse hatten sie nun die Möglichkeit, in der höchsten Wettkampfklasse, der Ersten, zu starten. Diese Chance nutzen sie freitags dann auch und wurden auch hier überraschend  Silbermedaillen-, bzw. Bronzemedaillengewinner. Dieser Sieg in WK 1 bedeutet, dass beide auch zukünftig  in WK 1  starten werden.

Am Donnerstag waren Paul Wolter (38 Jahre alt) und Thomas Frantzalis (32 Jahre) in der Wettkampfklasse 3 an der Reihe, in der die Kämpfe in spielerischer Form und meistens im Kniestand durchgeführt werden. Paul Wolter, der seit 8 Jahren Judo in der Südpfalzwerkstatt trainiert, aber über so gut wie keine Wettkampferfahrung verfügt, gewann alle 5 Kämpfe in der Gewichtsklasse -55 kg mit Ippon-Wertung und wurde für seine unerwartete Leistung mit der Goldmedaille belohnt. Thomas Frantzalis, Männer – 66 kg und ebenfalls nicht wettkampferprobt, gewann zwei seiner vier Kämpfe und damit die Bronzemedaille.

Cindy Kranz bei den Frauen bis 70 kg startete in der Wettkampfklasse I am Freitag; sie stand als Bronzemedaillenträgerin auf der Siegertreppe.

Überragend gestalteten sich die Wettkämpfe von Michael Walk, dem 33jährigen Judotalent, der in der WK I Männer – 66 kg an den Start ging. 2005 bei den Special Olympics European Championships in Belgien Gewinner der Goldmedaille ist er seit 2003 auch bei Deutschen Meisterschaften im G-Judo immer an vorderster Gewinnerfront mit dabei. In Karlruhe ging er sehr selbstbewusst auf die Matte. Alle  Kämpfe gewann er souverän und vorzeitig mit Ippon-Wertung. Die Goldmedaille krönte damit seinen Trainingseifer, den er 4-5x wöchentlich in der Südpfalzwerkstatt und vor allem mit den jugendlichen Wettkämpfern im Judokan Landau stillt

Eine primäre Intention von Special Olympics ist die  Integration geistig behinderter Menschen in das öffentliche Leben. In einem Interview des Karlsruhers Sportwissenschaftlers Klaus Bös spricht er jedoch davon, „dass der Aspekt der Integration von Menschen mit Behinderung im normalen Vereinsleben fast  nicht umsetzbar ist. Baden Württemberg hat bislang insgesamt nur wenige Integrationsmodelle realisiert.“

Wir in der Südpfalz leben diese Vorreiterrolle seit 8 Jahren und mit besonderem Stolz, denn seit  2001 besteht diese in der Pfalz einmalige Kooperation des Judokan Landau und der Südpfalzwerkstatt Offenbach. Im Judokan Landau  können die Sportler der homogenen Judogruppe der Südpfalzwerkstatt  in der Breitensportgruppe oder auch mit jugendlichen Wettkämpfern auf die Matte gehen. Betreut werden die Judoka mit geistiger Behinderung vom hauptverantwortlichen Trainer des Judokan Landau, Thomas Föllinger,  Lehr-und Prüfungsreferent des Judoverband Pfalz und von Ellen Neßmann-Eitel, Sportlehrerin der Südpfalzwerkstatt, Breitensportreferentin und Behindertenbeauftragte des Judoverband Pfalz. Beide Trainer besitzen ebenso die Lizenz  „Judo für Menschen mit Behinderung“, die sie bei Wolfgang Janko (Headcoach Judo Special Olympics) erworben haben.

In Karlsruhe imponierte der tolle Zusammenhalt und Ansporn, den sich die Judokämpfer mit ihren Anfeuerungsrufen gegenseitig gegeben haben. Und gefreut hat der Besuch von Walter Trapp, 4maliger Weltmeister im Judo, der das Südpfalz-Team vom Training im Judokan Landau kennt.

Wir werden fleißig weitertrainieren, um 2010 bei den Special Olympics National Games in Bremen mit hoffentlich genauso viel Erfolg und Spaß dabei zu sein.


Bericht von Ellen Neßmann-Eitel

 

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